Es gibt Trails die sollten bei jedem Mountainbiker auf der Bucket List stehen. Und wenn dir jetzt prominente Namen wie A-Line oder Top of the World ins Gedächtnis schießen liegst zu zwar nicht ganz falsch aber wäre dir der Vorab Trail in Flims eingefallen? Hoch über Flims, im Sardona Unesco Welterbe, liegt der beeindruckende Vorab-Gletscher.
Mit einer Höhe von über 3.000 Metern bietet er nicht nur ein grandioses Panorama, sondern auch eine faszinierende Mischung aus alpiner Wildnis und sich wandelnder Natur. Eingebettet in die spektakuläre Bergwelt des Kantons Graubünden, weckt der Vorab Gletscher und der gleichnamige Trail die Entdeckerlust vieler Mountainbiker.
Uphill zur Mondlandschaft
Das Abenteuer beginnt schon an der Talstations Flims. Der hochmoderne und komplett autonom gesteuerte FlemXpress Lift bringt dich hoch hinauf zur Bergstation Nagens Sura. Von nun an trennen dich noch 480hm vom Einstieg des Vorab Trail. Atemberaubend – im wahrsten Sinne des Wortes, denn sowohl Landschaft als auch die Höhe rauben dir die Luft. Zum einen hat man einen wunderschönen Blick auf den Crap Sogn Gion und die Laaxer Bergstation GaLAAXy zum anderen verändert sich die Landschaft mit jedem Höhenmeter den man bezwingt.
Man startet auf etwa 2000m üNN und fährt durch üppiges Weideland. Man hört das markante Schellen der Kuhglocken und blickt auf grüne Wiesen während man sich die Schotterstraße hinauf kämpft. Je höher kommt, desto mehr verändert sich die Landschaft und auch deren Bewohner. Wiesen und Kühe weichen und werden langsam zu unbegehbarerem Gelände in dem sich Murmeltiere besonders wohl fühlen und dich mit Argwohn beim schwitzen und keuchen beobachten.
Im letzten Drittel des Anstiegs wird man gefühlt auf eine Mondexkursion geschickt. Viel karge Landschaft und beim Blick nach rechts kann man langsam erahnen was dich auf dem Trail erwarten wird. Die vom Eis des Vorabgletschers glattpolierten Felsen und Schratten sehen aus wie ein gigantisches Naturkunstwerk. Für uns Mountainbiker ist es allerdings mehr als nur Kulisse – es ist ein Spielplatz aus Stein. Ziel des Uphills ist die Bergstation VORAB3000.
Angekommen am Gletscher
Doch der Vorab-Gletscher ist nicht nur ein Ort der Schönheit, sondern auch ein Symbol des Wandels. Wie viele andere Gletscher in den Alpen leidet er unter den Folgen des Klimawandels. Jahr für Jahr ziehen sich die Eismassen weiter zurück, und die Spuren dieses Rückgangs sind deutlich sichtbar. Wo früher mächtiges Gletschereis glänzte, finden sich heute Geröllfelder und freigelegte Felsen. Diese Veränderung ist ein stiller, aber eindrucksvoller Appell an uns alle, sorgsamer mit unserer Umwelt umzugehen.
So schön der Vorab-Gletscher auch ist, er erzählt auch eine nachdenkliche Geschichte. Wie viele andere Gletscher in den Alpen ist auch er vom Klimawandel betroffen. Die Eismassen schrumpfen Jahr für Jahr, und das Eis, das einst die umliegenden Täler prägte, zieht sich immer weiter zurück. Noch gibt es ihn, diesen magischen Ort aus Schnee und Eis, aber wie lange noch?
Diese Veränderung ist nicht nur ein Verlust für das Landschaftsbild, sondern auch für die Natur und die Menschen, die von ihr leben. Gletscher sind wichtige Wasserspeicher, die im Sommer das Wasser für Flüsse und Bäche liefern. Ihr Verschwinden könnte in Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben.
Statistik & Fakten zum Vorab Trail
- Traillänge 14km
- Schwierigkeit: S2 der Trail verläuft überwiegend über Slickrocks und natürliche Fels-Formationen, die Geschicklichkeit und präzises Fahren erfordern / 🔴⚫️
- Aufstieg 480hm
- Abstieg 1600tm
- Untergrund: Slickrock, natürlicher Fels, wenig Erde und Geröll
- Highlights:
- Slickrock Abfahrt
- Panorama Aussicht auf die Alpen
- Offizielle Informationen zum Vorab Trail
Hinter der Bergstation Vorab 3000 beginnt der eigentliche Spaß: ein Trail über die kahlen Felsen des ehemaligen Vorabfirns. Orientierung geben nur die rot-weissen Markierungen, die sich durch das karge Gelände ziehen. Ein fast surrealer Moment – als würde man durch eine andere Welt fahren.
Trailforks Informationen zum Vorab Trail
Große Slickrock Platten führen dich Ebene um Ebene hinab und erfordern technische Skills und etwas weitblick. Denn man muss den Flow mitnehmen um sauber über die verschiedenen Platten zu kommen. Hat man einmal den Dreh raus beginnt der Spaß.
Im zweiten Teil zeigt der Vorab ein anderes Gesicht. Grober Schotter und vereinzelte Steinplatten fordern dein technisches Können und oftmals ist es ratsam vorher einen Blick auf die nächste Schlüsselstelle zu werfen – hier ist nichts gebaut sondern alles natürlich entstanden. Die Abfahrt schlängelt sich dann weiter ins Tal und trifft dann auf das Ende des Masegn Trail.
Aber Vorsicht: Der Vorab fordert ab und zu auch seinen Tribut! Sobald man den Blick schweifen lässt, bleibt man vielleicht mal Mit Pedal, Kettenblatt oder Schaltwerk hängen. Dafür gibts dann nonstop Postkarten Ausblicke auf die Schweizer Alpen während man sich flowig durch die alpine Fels und Wiesenlandschaft schlängelt.
Die Felsen und Schratten des Vorabgletschers wurden vom Eis und vom Wasser poliert, ein beeindruckendes Naturkunstwerk – und gleichzeitig eine Spielwiese für Mountainbikes. Die Singletrail-Abfahrt führt durch alpines Gelände via Camona Vorab an den Bach Aua della Fuorcla.
Zum Schluss geht es entspannt und ohne viel Gefälle über die Alpwiesen bis hin zur Alp Sogn Martin. Nun habt ihr die Qual der Wahl. Kurz durchschnaufen, einmal auf der Schotterstrasse hochdrücken bis Mughels – und schon geht’s in den Nagens-Trail. Oder ihr folgt an der Alp Sogn Martin dem Plaun Trail ins Tal. Dieser trifft dann im unteren Teil wieder auf den Nagens Trail. Zum Finale wartet dann der legendäre Runca-Trail – hier steht nur eins im Fokus: Flow, Flow, Flow.
Der Vorab-Trail startet direkt mit einem sanft geneigten Slickrock-Playground, der sich über die gesamte 13,5 km zieht und dir satte 1.600 Tiefenmeter schenkt. Der Mix aus natürlichen Fels-Formationen, alpinem Untergrund und wechselndem Terrain sorgt für eine Abfahrt, die einfach nicht langweilig wird. Slickrocks sind dabei der Gamechanger: mega Traktion, aber nur wenn du sauber fährst – sonst schiebt dich das Bike gnadenlos raus.
Sidequest: Segnes Böden
Wenn ihr Zeit und Beine (oder nen E-MTB) habt müsst ihr unbedingt die knapp 50hm von der Nagens Sura Station hinauf zum Segnes Aussichtsplateau treten. Von dort aus habt ihr einen wunderbaren Blick auf die Segnes Böden und die Tschingelhörner.
Die Segnesböden sind einfach next level. Zwei gigantische Plateaus – Plaun Segnas Sut und Plaun Segnas Sura – eingebettet in eine Arena aus steilen Hängen und Felswänden. Mittendrin donnert der Segnesbach als fetter Wasserfall vom oberen aufs untere Plateau. Wenn du hier stehst, wirkt die Szenerie so surreal, dass man fast vergisst, dass es real ist.
Was die Sache noch wilder macht: Das Gebiet ist ein echtes Naturjuwel. Auen, Moore, Feuchtgebiete – alles voll mit seltenen Pflanzen und Tieren. Deshalb: Stay on Trail. Kein Offroad, kein Pflücken, sonst killt man genau das, was diesen Spot so besonders macht.
Wie’s entstanden ist? Vor rund 10.000 Jahren nach der letzten Eiszeit haben Gletscher und Bäche hier richtig aufgeräumt und diese riesigen Schwemmebenen aufgeschüttet. Die Spuren der Eiszeit sind heute noch an den Felsen sichtbar. Kein Wunder, dass die Segnesböden Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Tektonikarena Sardona sind.
Highlight: Der untere Segnesboden mit seinem gigantischen Flachmoor – satte 25 Hektar groß und voll mit Artenvielfalt. Für diese Höhe ein absolutes Unikat und eine der größten Moorlandschaften in der Schweiz. Alles wirkt roh, wild und ungebändigt – als hätte die Natur hier ein Statement gesetzt.
Text & Bilder: Sven Schebaum
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