Mit dem Hardline bringt Smith Optics einen kompromisslos auf Downhill und Bikepark ausgelegten Fullface-Helm auf den Markt. Während der Mainline als Enduro-orientiertes Modell eine Brücke zwischen Schutz und Pedalierbarkeit schlägt, setzt der Hardline klar auf maximale Abdeckung und Sicherheitsreserven.
Bisher war Smith im Full-Face-Bereich vor allem durch den Mainline bekannt – ein erstklassiger Enduro-Helm, der aber bei massiven Bikepark-Eskapaden und echtem Downhill-Geballer an seine Grenzen stieß. Mit dem Hardline DH Carbon schickt Smith nun das „Biest“ ins Rennen. Wir haben uns das gute Stück für euch angeschaut: Ist es der neue Goldstandard für Park-Rats oder nur ein teures Accessoire für die Vitrine?
Inhalt
Spezifikationen des Smith Hardline
- Farben: Matte Chalk, Matte Pine / Rust / Sagebrush, Matte Black (Composite)
- Größen: S: 51–55 cm, M: 55–59 cm, L: 59–63 cm
- Gewicht: Composite Größe M: ca. 990 g, Carbon ca. 910–930 g
- Zertifikate
- CPSC
- CE EN 1078
- AS/NZS 2063
- ASTM F1952 (Downhill-Zertifizierung)
- Highlights:
- Koroyd Innenschale
- MIPS
- Collarbone Protection Zone
- Mehr dazu auf der Smith Homepage
Erster Eindruck des Smith Hardline DH
Schon beim ersten Kontakt wird deutlich, wohin die Reise geht. Der Hardline wirkt kompakt, massiv und dennoch erstaunlich leicht in der Hand. Die Linienführung ist klassisch Downhill: ausgeprägter Kinnbügel, klar konturierte Schale, großzügiges Visier. Auf aggressive Designspielereien verzichtet Smith bewusst. Stattdessen dominieren matte Farbvarianten und eine saubere, fast nüchterne Formsprache. Besonders die Carbon-Version unterstreicht mit ihrer sichtbaren Struktur den Premium-Charakter.
Die Verarbeitung bewegt sich auf hohem Niveau. Übergänge zwischen Außenschale, EPS-Kern und Koroyd-Elementen sind sauber ausgeführt. Nichts wirkt billig oder nachträglich eingesetzt. Das Innenfutter ist großzügig dimensioniert und mit Ionic+-Material bezogen, das geruchshemmend wirken soll. Gerade bei intensiven Bikepark-Tagen ein sinnvolles Detail.
Technisch setzt der Hardline auf eine Composite- oder optional Carbon-Außenschale. Darunter befindet sich ein EPS-Kern, der großflächig von einer Koroyd-Struktur ergänzt wird. Diese besteht aus thermisch verschweißten Kunststoffröhrchen, die bei einem Aufprall kontrolliert kollabieren und so Energie absorbieren sollen. Smith gibt an, dass Koroyd sowohl lineare als auch rotatorische Kräfte effizient reduziert und gleichzeitig durch die offene Struktur Luftzirkulation ermöglicht. Ergänzt wird das System durch eine MIPS Evolve Core-Einlage, die Rotationskräfte bei schrägen Aufprallen reduzieren soll.
Das Gewicht liegt in Größe Medium bei etwa 990 Gramm für die Composite-Version. Die Carbon-Variante bewegt sich je nach Messung zwischen 910 und 930 Gramm. Damit zählt der Hardline zu den leichteren Single-Shell-DH-Helmen auf dem Markt. Zum Vergleich: Viele klassische Downhill-Helme überschreiten deutlich die Kilogramm-Marke. Im direkten Vergleich mit dem Mainline, der rund 770 Gramm wiegt, ist der Unterschied allerdings spürbar.
Die Größenabstufung deckt Kopfumfänge von 51 bis 63 Zentimetern ab. Jede Größe umfasst etwa vier Zentimeter Spannweite. Der Helm verfügt über 16 Belüftungsöffnungen. Das AirEvac-System soll dabei helfen, Luft gezielt durch den Helm zu leiten und gleichzeitig das Beschlagen der Goggle zu reduzieren.
In puncto Sicherheitszertifizierungen erfüllt der Hardline CPSC und CE EN 1078 sowie AS/NZS 2063. Besonders relevant ist die ASTM F1952 Downhill-Zertifizierung. Diese verlangt höhere Prüfenergien sowie strengere Anforderungen an die Stabilität des Kinnbügels. Der Hardline positioniert sich damit klar im Gravity-Segment.
Ein interessantes Detail ist die sogenannte Collarbone Impact Protection Zone. Dabei handelt es sich um eine gummierte Zone im unteren Bereich der Helmschale, die im Fall eines Sturzes das Risiko direkter Helmkontakte mit dem Schlüsselbein reduzieren soll. Ob dieses Feature im Ernstfall entscheidend ist, lässt sich schwer quantifizieren, doch zusätzliche Sicherheitsreserven sind grundsätzlich willkommen.
Wie bei klassischen Fullface-Helmen üblich, verzichtet der Hardline auf ein Drehrad zur Feinjustierung. Die Anpassung erfolgt über unterschiedlich dicke Polsterelemente. Im Lieferumfang befinden sich mehrere Wangenpolster-Varianten sowie alternative Nackenpolster. Dadurch lässt sich der Sitz individuell anpassen, ohne dass der Helm an Stabilität verliert.
Die Wangenpolster verfügen über ein Schnellverschluss-System. Im Notfall können sie entfernt werden, während der Helm noch auf dem Kopf sitzt. Für Rettungskräfte ist dies ein relevantes Sicherheitsmerkmal, da der Helm schonend abgenommen werden kann. Das Visier ist höhenverstellbar und mit einer Breakaway-Funktion ausgestattet. Im Falle eines Sturzes kann es kontrolliert nachgeben, um zusätzliche Kräfte zu reduzieren. In oberster Position lässt sich das Visier arretieren. Diese Stellung eignet sich auch zur Montage einer Actionkamera unterhalb des Schirms.
Der Verschluss erfolgt über einen klassischen Doppel-D-Ring. Dieses System gilt als besonders sicher und langlebig. Zwar ist das Handling etwas weniger komfortabel als bei modernen Magnet- oder Ratschenverschlüssen, dafür überzeugt die mechanische Zuverlässigkeit.
Kleiner Exkurs: KOROYD
Ein Alleinstellungsmerkmal von Smith ist die vollständige Koroyd-Abdeckung. Diese neongrünen „Strohhalme“ sind mehr als nur ein optisches Highlight. Die Funktion: Koroyd besteht aus tausenden Polymer-Röhren, die thermisch verschweißt sind. Bei einem Impact knicken sie kontrolliert ein und absorbieren Energie wesentlich effizienter als herkömmlicher EPS-Schaum.

Der Vorteil: Koroyd ist zu 95 % Luft. Das spart Gewicht und ermöglicht theoretisch einen besseren Airflow.
Der Inside-MTB-Eindruck: Der Hardline ist komplett damit ausgekleidet. Das gibt dir ein extrem sicheres „Eingekapselt“-Gefühl. Allerdings blockiert die Struktur bei niedrigen Geschwindigkeiten den Luftstrom etwas mehr als offene Belüftungskanäle. Wer also plant, mit diesem Helm 1.000 Höhenmeter bergauf zu kurbeln, sollte sich auf eine ordentliche Schwitzpartie einstellen. Für den Lift- und Shuttle-Einsatz ist es jedoch perfek
Wer mehr zur Technologie hinter Koroyd erfahren möchte findet detaillierte Informationen auf der Koroyd Homepage.
Auf dem Trail mit dem Smith Hardline DH
Setzt man den Hardline auf, wird sofort klar, dass hier mehr Material im Spiel ist als beim Mainline. Die Wangenpolster umschließen das Gesicht deutlich straffer. Der Helm sitzt satt und kompakt, fast schon wie maßgeschneidert. Beim ersten Aufsetzen wirkt das Ganze enger, als man es vielleicht von Enduro-Helmen kennt. Auf dem Trail relativiert sich dieser Eindruck jedoch schnell.
Während der Abfahrt vermittelt der Hardline ein sehr stabiles, geschlossenes Gefühl. Der Kinnbügel ist massiv, die seitliche Abdeckung ausgeprägt. Gerade auf ruppigen Downhill-Strecken oder im Bikepark bei höheren Geschwindigkeiten entsteht ein spürbares Plus an Sicherheitsgefühl. Der Helm bleibt ruhig am Kopf, ohne zu wandern oder sich bei schnellen Richtungswechseln zu verschieben.
Das Gewicht fällt in der Praxis weniger auf, als es die Zahlen vermuten lassen. Auf der Abfahrt spielt es faktisch keine Rolle. Erst bei längeren Anstiegen wird der Unterschied zum Mainline oder zu leichteren Enduro-Helmen deutlicher. Hier summieren sich knapp 220 Gramm Mehrgewicht durchaus. Noch stärker ins Gewicht fällt jedoch die reduzierte Belüftung.
Die Ventilation funktioniert bei höherem Tempo solide. Fahrtwind wird spürbar durch die Frontöffnungen und über das Koroyd-Material geleitet. Bei niedriger Geschwindigkeit hingegen entsteht schneller ein Wärmestau. Mehrere internationale Tests beschreiben ein ähnliches Bild: Der Hardline ist für Lift- oder Shuttle-Betrieb optimiert. Wer lange Forststraßen hochpedaliert, wird die geringere Luftzirkulation bemerken.
Das Sichtfeld ist ausgesprochen großzügig. Seitlich nimmt man die Helmkanten kaum wahr. Lediglich die Spitze des Visiers und der obere Bereich des Kinnbügels sind im unteren Sichtfeld sichtbar. Die Integration von Goggles funktioniert problemlos, auch mit Modellen anderer Hersteller. Das AirEvac-System unterstützt die Entlüftung der Brille effektiv und reduziert Beschlagen spürbar.
Ein wiederkehrender Diskussionspunkt betrifft das MIPS-System. Einige Tester berichten von leichtem Knarzen oder einer minimalen Bewegung des Innenliners. Dieses Phänomen tritt vor allem ohne eingesetzte Goggle auf. Mit Brille stabilisiert sich das System deutlich. Technisch betrachtet ist die Beweglichkeit des MIPS-Liners funktional bedingt. Subjektiv kann sie jedoch als ungewohnt wahrgenommen werden.

Insgesamt vermittelt der Hardline bergab ein sehr hohes Maß an Sicherheit. Er fühlt sich nicht filigran oder gewichtsoptimiert an, sondern bewusst robust. Genau das erwartet man von einem dedizierten Downhill-Helm.
Fazit zum Smith Hardline
Der Smith Hardline ist ein klar positionierter Downhill-Helm ohne Ambitionen, ein Allrounder zu sein. Er kombiniert ASTM-DH-Zertifizierung, Koroyd-Vollstruktur, MIPS-Rotationsschutz und zusätzliche Details wie die Schlüsselbein-Schutzzone zu einem technisch durchdachten Gesamtpaket.
Seine Stärken liegen eindeutig im Gravity-Einsatz. Bei hoher Geschwindigkeit überzeugt die Stabilität, das großzügige Sichtfeld und das robuste Kinnteil. Das Gewicht bewegt sich für einen Single-Shell-DH-Helm auf einem konkurrenzfähigen Niveau.
Die Belüftung ist für einen reinen Downhill-Helm akzeptabel, erreicht jedoch nicht das Niveau von Enduro-Modellen. Wer regelmäßig lange Anstiege pedaliert, wird die thermischen Grenzen spüren. Auch die Geräuschentwicklung des MIPS-Systems kann subjektiv stören, ist technisch jedoch konstruktionsbedingt.
Unterm Strich ist der Hardline eine konsequente Lösung für Bikepark- und Downhill-Fahrer, die maximale Schutzreserven priorisieren. Er ersetzt keinen leichten Enduro-Helm, sondern ergänzt ihn sinnvoll. Wer selten tritt und bergab keine Kompromisse eingehen möchte, findet hier einen der technisch interessantesten DH-Helme im Premium-Segment.
Pro’s & Con’s
Pro
- ASTM-DH-Zertifizierung
- Koroyd-Vollstruktur
- MIPS-Rotationsschutz
- Schlüsselbein-Schutzzone
- Sehr gutes Sichtfeld
- Hochwertige Verarbeitung
Contra
- Durchschnittliche Belüftung bei niedriger Geschwindigkeit
- Relativ hoher Preis
- MIPS-Geräusche möglich
- Gewicht höher als Enduro-Modelle
Text & Bilder: Sven Schebaum
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Transparenzhinweis: Im Zuge des Tests wurde uns vom Hersteller ein Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr dazu.
















