Es war die am sehnlichsten erwartete Rückkehr des Jahres: Der RockShox Vivid ist wieder da. Neuer, robuster und mit vielen frischen Features kommt der Dämpfer in den Handel.
Da der alte Vivid in die Jahre gekommen war, und auch in den letzten Update Runden aussen vor geblieben ist, deutete schon darauf hin, dass sich hier etwas tut. Allerdings war sicher den wenigsten klar, was man auf der technischen Ebene am großvolumigem Dämpfer gezaubert hat, so dass man auch eine deutlichere Abgrenzung zum Super Deluxe bekommt.
Inhalt
Wir hatten das Glück de Vivid Ultimate in letzten Monaten ausführlich zu testen. Wie sich der Luftdämpfer geschlagen hat? Lest selbst.
Spezifikationen RockShox Vivid
- Einsatzbereich: Enduro / DH
- Hub Längen: 45 mm / 55 mm / 65 mm / 75 mm
- Einstellmöglichkeiten:
- HSC: 5 Clicks
- LSC: 5 Clicks
- HBO: 5 Clicks
- Rebound: 20 Clicks
- Technische Eigenschaften
- Touchdown Technologie
- DebonAir Luftfeder
- neues 100 Stunden Service Intervall
- Gewicht: 670g (gewogen mit 230x60mm: XXXg)
- Preis: €839 – €874 (Je nach Modell)
Erster Eindruck des RockShox Vivid
Mit dem neuen Vivid schließt RockShox die Lücke im bestehenden Portfolio und sagt dem, zuletzt immer wieder in der Kritik stehenden, X2 von Fox den Kampf an. Auch wenn sich beide Dämpfer optisch ähneln, ist der neue RockShox Vivid vollgepackt mit neuen Features und setzt sich, wie Eingangs angesprochen, auch deutlich vom internen Konkurrenten. dem Super Deluxe, ab.
Form follows function … and history! Die massige Silhouette ist nicht nur eine Hommage an die alten Vivid Modelle sondern sorgt auch dafür, dass dank des vergrößertem Ölvolumens das Wärmemanagement optimiert wird und es durch die flächenmäßig größere Überlappung der Buchsen für eine geringere Reibung sorgen.
Touchdown Technologie RC2T
Coildämpfer an Enduro Bikes sind gerade der heisse Scheiss! Was ist jedoch, wenn man das beste aus beiden Welten bekommen könnte? Einen Luftdämpfer, der sensibel anspringt und auch bei kleinsten Unebenheiten Traktion generiert kombiniert mit dem Gewicht und der guten Einstellbarkeit eines Luftdämpfers ohne auf Nachteile wie Wärmeproblemen zu bekommen?
RockShox nennt das neue System „Touchdown“ und fußt auf der Erkenntnis, dass man zu verschiedenen Punkten im Federweg ein unterschiedliches Dämpfungsverhalten erwartet. Für die neue Touchdown Technologie im RockShox Vivid Ultimate haben die Ingenieure hierbei drei verschiedene Phasen gekennzeichnet.
In den ersten 10% des Federwegs, wird der Dämpfer besonders feinfühlig um kleinste Unebenheiten auszugleichen. Von 10% bis 80% soll der Fahrer das Gefühl von mehr Gegendruck bekommen ohne dass der Dämpfer zu hart wird oder man als Fahrer das Gefühl des „aufschaukelns“ bekommt. In den letzten 20% muss der Dämpfer meistens harte Schläge einstecken, sei es bei Drops oder wenn man mal wieder unbeabsichtigt im Flat landet.
Wie funktioniert Touchdown am Dämpfer?
Eigentlich ist es recht einfach erklärt, wenn man es herunter bricht. Touchdown, und die sensibleren ersten 10% des Federweg, entstehen dadurch, dass die Compression Unit einfach umgangen wird. So bekommt man auf den ersten 10% einen sensibleren ungedämpften Bodenkontakt.
Quelle: SRAM.com / Technologie / Vivid
Im Federweg zwischen 10% und 80% wird das Öl im Dämpungskreislauf wieder so umgeleitet, dass es ganz regulär durch die Compression Unit fließt und dadurch wieder mehr gedämpft wird und mehr Unterstützung bei schnellen Schlägen und in technischem Gelände bietet. So wird dann auch sichergestellt, dass der Dämpfer nicht über den gesamten Federweg durchschlägt.
Quelle: SRAM.com / Technologie / Vivid
In den letzten 20% greift dann der Hydraulic Bottom Out. Das Öl muss dabei durch das den HBO Adjuster, den man frei einstellen kann. Schließt ihr den Kreislauf, erhöht sich der Druck in der HBO Kammer in den letzten 20%. Dadurch wird mehr gedämpft und man kann sich das „Ende“ des Federwegs speziell einstellen.
Quelle: SRAM.com / Technologie / Vivid
Neue Debonair Feder
Seit Jahren müssen sich Luftdämpfer immer dem linearen Verhalten eines Coilshocks messen. Als Fahrer liebt das satte Gefühl auf dem Trail und das vorhersehbare Verhalten in jedem mm des Federwegs. Luftdämpfer sind im Verhalten progressiver in der Federkennlinie und lassen sich auch noch in der Progressivität mittels Tokens noch ein wenig feintunen.
Beim neuen RockShox Vivid Ultimate ist die Luftkammer größer geworden. Das zusätzliche positive Volumen ermöglicht es, das Kompressionsverhältnis zu verringern, um eine linearere Luftfeder zu bekommen.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich die Development Seite von RockShox die ihr hier finden könnt.
Setup
RockShox bleibt dem Konzept, dass sie seit ein paar Jahren verfolgen, treu. Es soll einfach sein für den Fahrer einen Sweetspot zu finden. Das heisst, dass die Einstellmöglichkeiten weniger granular sind und man auch als „gefühlloser“ Fahrer die Änderung des Fahrverhaltens wahr nimmt. „Einfach“ bedeutet dass man 5 Klicks für LSC und HSC auf der Druckstufe hat und 12 auf der Zugstufe, Dank des praktischen kleinen 3mm-Knopfes, der an der Zugstufeneinstellung angebracht ist, können Sie die Druckstufe auf dem Trail ohne zusätzliches Werkzeug einstellen.

Getestet haben wir den RockShox Vivid Ultimate am Yeti SB160. Neu ist, dass es spezielle Tunes gibt, die auf die jeweilige Hinterbaukinematik ausgelegt sind. In unserem Vivid waren die tunes C34 und R55 verbaut. Das betrifft die Bikes von Canyon bis hin zu Specialized oder YT. Ob dein Bike dabei ist, findest Du hier (Zur Pressmitteilung von RockShox).
Bei unserer Hublänge von 65mm können wir bei einem SAG von 28% – 30% mit etwas unter 22mm rechnen. Nach etwas experimentieren landete ich bei 5 Clicks HSC und 5 CLicks LSC (also beides offen). Den HBO hab ich ebenfalls komplett offen. In Kombination mit der ZEB war das Rad dann sowohl optisch als auch vom Gefühl im Gleichgewicht.
Allerdings sind dies keine in Stein gemeißelten Werte. Geht es auf schnelle ruppige Enduro Strecken mag ich es eher offen und plushy. Sind eher spielerische Elemente dabei gehe ich gerne in der LSC 1-2 Clicks richtung geschlossen und fahre mit mehr Rebound.
Wie bei jedem Luftdämpfer musst du den Dämpfer während des Aufpumpens alle 30-50psi einfedern, um sicherzustellen, dass die Luft gleichmäßig zwischen den positiven und negativen Luftkammern verteilt werden kann. Es ist erwähnenswert, dass die Ausgleichsöffnungen des Vivid im Vergleich zu anderen Dämpfern tiefer im Hub positioniert sind, etwa an der 40%-Marke, im Gegensatz zu den meisten anderen Modellen, die zwischen 15-20% des Hubs liegen.
Auf dem Trail mit dem Vivid Ultimate
Von Luft zu Coil und wieder zum Luftdämpfer innerhalb einer halben Saison. Das mag zu verwirrungen führen, aber auch zu extrem guten Vergleichsgefühl. Während ich aus der Letzten Saison noch den FOX x2 gewohnt war, und zu Beginn der Saison den EXT Storia im SB160 fuhr war der wechsel auf den VIVID Ultimate zunächst gewöhnungsbedürftig. Doch schnell kristallisierten sich die positiven Eingeschaften schnell heraus und mit Problemchen wie „ich nutze nicht 100% des Federwegs“ wurden recht zügig gelöst.
Uphill mit dem RockShox Vivid
Bei abfahrtsorientierte Dämpfern weiss man eigentlich schon im Vorfeld, dass man bergauf leiden muss. Einen echten Lockout gibt es schon lange nicht mehr, so dass man nur noch davon spricht, dass der Dämpfer eine Plattform hat. Und auch der RockShox Vivid hat diesen „Climb Switch“.
Denn im Vergleich zum direkten Konkurrenten, dem Fox X2 klettert der Vivid wie eine Bergziege. Das liegt vor allem an der extremen Empfindlichkeit des Touchdown Systems in den ersten 10% des Hub. Dadurch wirkt der Climb Switch fast wie ein echter Lockout am Dämpfer. Lange Tretpassagen zu den Enduro Stages verlieren ihren Schrecken. Zu sagen „Es tritt sich wie ein Hardtail“ wäre übertrieben – aber es kommt schon verdammt nah dran. Vom Bergauf Fahrgefühl lässt sich der RockShox Vivid aber eher mit einem leichten Trail-Dämpfer wie dem Super Deluxe oder dem Float DPX2 vergleichen.
Im Downhill mit dem Vivid Ultimate
RockShox spricht beim Vivid von einem Coil ähnlichen verhalten des Dämpfers. Aber wie sieht es aus wenn man wirklich von einem Coil Dämpfer auf den Vivid Ultimate wechselt?
Tatsächlich waren die ersten Abfahrten wirklich ernüchternd. Der Dämpfer fühlte sich hart, ja gar unbeholfen hölzern im Heck an. Vor allem wenn man Coil und Vivid Back2Back fahren konnte merkte man den unterschied deutlich sobald es ruppiger wurde. Am Trailende bemerkte ich, dass ich nur etwa zwei Drittel meines Federwegs nutzte. Es gab also anscheinend keine Werte an denen ich mich grob orientieren konnte. Das hieß für mich HBO, LSC und HSC auf und rein ins testen. Aber auch nach der nächsten Abfahrt nutzte ich nur zwei Drittel des Federwegs. Anscheinend waren die Trails nicht rough genug. Also galt es den Dämpfer per Drop an seine Grenzen zu bringen. Auch hier wurde nur minimal mehr Federweg genutzt.
Letzten Endes brachte ein Gespräch mit SRAM die rettende Lösung. Im Dämpfer waren zwei Tokens verbaut. Als diese (werkzeuglos) ausgebaut waren, ging es wieder auf den Trail und – oh boy – was für ein Unterschied.
Und genau jetzt wurde aus dem „Markting-Blabla“ die Realität. Der RockShox Vivid schluckt kleine Schläge auf dem Trail einfach weg. Deutlich besser als bei allen Luftdämpfern die ich den letzten Jahren fahren durfte. Durch die TouchDown Technologie werden die ersten 10% des Federwegs nicht ungedämpft in den Dämpfer gejagd so dass der Fahrer so gut wie nichts davon merkt, ohne das Gefühl zu haben es ist überdämpft.
Durch das Entfernen der Volumenspacer wird der Dämpfer deutlich linearer und nähert sich noch mehr einem Coil Dämpfer an. Dafür tauscht man allerdings auch Agilität ein. Bleibt aber im Endeffekt deutlich agiler als ein Coil Dämpfer. In diesem Fall, am Yeti SB150 Enduro Bike macht das allerdings nicht viel aus. Anders wäre meine Meinung allerdings wenn ich mit einem Trailbike unterwegs wäre.
Fazit zum RockShox Vivid Ultimate
Der Luftdämpfer der sich wie ein Coildämpfer fahren soll tut zu 90% genau das was das Marketing verspricht. In den letzten 5 Monaten war ich mit Unterbrechungen mit dem Vivid unterwegs. Zwischendurch gab es immer mal wieder Momente wo ich auf den echten Coil gewechselt bin. Trotzdem aber immer wieder zum Vivid zurückgekommen. Das liegt vor allem daran dass ich das etwas poppigere und agilere Verhalten gegenüber einem Coil Dämpfer.
Von Werk aus ist mein SB150 mit einem Fox X2 ausgestattet. Und auch wenn man Serviceseitig drüber meckern mag, ist dann der Performance eigentlich nichts auszusetzen. Allerdings hat der RockShox Vivid das Fahrgefühl nachhaltig verändert. Keine Kompromisse mehr mit Druck und Zugstufe. Und keine Kompromisse mehr auf dem Trail.
Fakt ist, dass der Wechsel vom Fox X2, der Serienmäßig verbaut worden ist, hin zum RockShox Vivid das Bike besser macht. Mit dem Vivid kann ich das Rad besser und genauer abstimmen ohne dass ich zu sehr den Sag anpassen muss. Kleine UNebenheiten werden einfach weggeschluckt und wenn es doch mal wilder wird, dann hat man noch den HBO der einem das ein oder andere Mal den Arsch rettet.
Pro’s & Con’s
Pro
- Pre-Tuned Varianten für viele Bikes verfügbar
- TouchDown Technologie sollte ab jetzt Gold Standard für Luftdämpfer sein
- Sehr guter Gegendruck in Kurven (im vergleich zu Coil)
- Für einen DH/EN Dämpfer klettert er erstaunlich gut
- Lange Serviceintervalle
Contra
- Für Endkunden nur die ULTimate Version verfügbar
- Mit 692g als Luftdämpfer recht schwer
- von der Größe nicht mit allen Rahmen
Text & Bilder: Sven Schebaum
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