Bei den Cleats hat Crankbrothers auf vielfachen Wunsch nachgelegt. Eine einstellbare Auslösespannung gibt es zwar immer noch nicht, dafür aber mehrere Cleat-Varianten, mit denen sich Float und Auslösewinkel individuell abstimmen lassen. Wir zeigen dir, welche Cleats es gibt, welches Zubehör sich lohnt und wie du die Platten am Schuh so einstellst, dass sie auf dem Trail und im Park passen.
Inhalt
Die Wahl des richtigen Cleats
Erinnerst du dich noch, als ich mich darüber beschwert habe, dass Crankbrothers-Pedale keine einstellbare Auslösespannung bieten? Stattdessen haben die Amerikaner vier unterschiedlich geformte Messing-Cleats entwickelt. Sie unterscheiden sich im Float, also dem Spielraum, den der Fuß im eingeklickten Zustand hat, und im Auslösewinkel, also dem Winkel, bei dem der Fuß aus dem Pedal aussteigt.
Die goldfarbenen Standard-Cleats bieten 6 Grad Float und lassen den Fuß bei 15 Grad aussteigen. Die bronzefarbenen Cleats kommen ohne Float aus und lösen ebenfalls bei 15 Grad. Wer früher aus dem Pedal raus möchte, greift zu den rosafarbenen Cleats mit 6 Grad Float und 10 Grad Auslösewinkel oder zu den silbernen mit null Float und denselben 10 Grad. Die 10-Grad-Variante vermarktet Crankbrothers als Easy Release, also als besonders nachsichtige Option.
| Cleat | Float | Auslösewinkel |
| Gold (Standard) | 6° | 15° |
| Bronze | 0° | 15° |
| Kupfer | 6° | 10° |
| Silber | 0° | 10° |
| Gold, seitenvertauscht | 6° | 20° |
Und es geht noch mehr: Setzt du die goldenen Standard-Cleats, die zum Beispiel beim Candy 7 im Lieferumfang liegen, seitenvertauscht ein (linker Cleat am rechten Schuh und umgekehrt), steigt der Auslösewinkel auf 20 Grad. Damit deckt Crankbrothers einen Bereich von Null-Float bis 6 Grad Float und von 10 bis 20 Grad Auslösewinkel ab.

Zubehör und Ersatzteile
Auf der eigenen Website verkauft Crankbrothers eine ganze Menge Kleinteile, um die Pedale in Schuss zu halten. Das Pedal Refresh Kit kostet 24,99 US-Dollar und enthält Lager, Buchsen, Dichtungen, Muttern und ein Werkzeug. Titan-Achsen schlagen mit 150 US-Dollar zu Buche. Das Long Spindle Upgrade Kit für 49,99 US-Dollar vergrößert den Q-Faktor von 52 auf 57 mm, was bei breiteren Füßen oder Stance-Präferenzen interessant sein kann. Für die Montage der Cleats hat Crankbrothers außerdem ein eigenes Cleat Tool im Programm.
Fährst du Schuhe mit Karbonsohle, solltest du über die Shoe Shields für 9,99 US-Dollar nachdenken. Sie verhindern, dass sich die Flügel des Pedals in die Sohle eingraben.
Kombiniert man alle Cleat-Optionen, die längeren Achsen für den breiteren Q-Faktor und die einstellbaren Traktionspads, wird das Candy zu einem extrem abstimmbaren Pedal. Voraussetzung: Du nimmst dir die Zeit, alles sauber einzustellen.
Cleats für das MTB einstellen
Klickpedale sind in nahezu jeder Disziplin beliebt, weil sie eine sichere und effiziente Verbindung zum Bike schaffen. Wie genau die kleinen Metallplatten an der Sohle sitzen sollten, ist beim Mountainbike aber deutlich weniger eindeutig als auf dem Rennrad. Dort gilt seit Jahren: Die Cleats gehören möglichst mittig unter den Fußballen. Beim MTB muss man nicht nur kräftig treten, sondern auch lange Abfahrten stehend überstehen und jede Menge Schläge wegstecken. Je nach Disziplin und persönlichem Geschmack haben sich deshalb unterschiedliche Positionen bewährt.
Egal, welche Position du wählst: Probier sie aus und prüf sie auf der ersten Runde. Schmerzen im Knie, in der Wade oder im Fuß sind ein Zeichen, dass die Cleats nicht optimal sitzen.
Fast alle MTB-Klickschuhe basieren auf dem Zwei-Loch-Standard von Shimano SPD, egal ob am Ende Crankbrothers, HT, Time oder ein anderes System draufklickt. Die Schuhe haben dafür in der Regel zwei Paar Befestigungslöcher und eine verschiebbare Befestigungsplatte im Inneren. Die Cleats werden mit zwei Senkkopfschrauben fixiert.
In Längsrichtung lässt sich die Position recht großzügig verstellen, je nach Pedalhersteller auch seitlich für einen schmaleren oder breiteren Stand. Gedreht werden kann die Cleat-Platte nur minimal, denn die Schrauben richten sie immer an der Ausrichtung der Befestigungsplatte aus. Crankbrothers liefert die Cleats außerdem mit Unterlegscheiben, mit denen du die Höhe anpassen kannst. Das hilft, wenn der Cleat zu tief im Schuh sitzt und Sohle und Pedalkörper das Ein- und Ausklicken behindern. Er sollte aber auch nicht so weit aus der Sohle herausschauen, dass er beim Laufen ständig Bodenkontakt hat, denn das erhöht den Verschleiß.
Den Fußballen finden
Der Referenzpunkt für die Längsposition ist der Fußballen. Am besten geht das zu zweit: Du schlüpfst in die Schuhe, und eine zweite Person ertastet durch das Schuhmaterial die Gelenke an der Basis von großem und kleinem Zeh, also die festen Beulen, die sich seitlich am Fuß abzeichnen. Diese beiden Punkte markierst du. Damit du deine neuen Schuhe nicht anmalen musst, klebst du ein Stück Malerband auf und zeichnest die Linie darauf. Anschließend ziehst du den Schuh aus, drehst ihn um und verbindest die beiden Markierungen auf der Sohle mit einer geraden Linie, zum Beispiel mit einem Zollstock.
Der Cleat wird dann so positioniert, dass diese Linie mittig zwischen den beiden Befestigungsschlitzen verläuft. Mindestens genauso wichtig ist die Ausrichtung zur Längsachse des Schuhs. Das lässt sich mit einem Senklot kontrollieren, das von der Schuhspitze bis zur Ferse reicht, und auch hier hilft ein zweiter Mann oder eine zweite Frau. Danach den Cleat exakt darunter ausrichten. Eine Sichtkontrolle machst du auf dem Bike: Klick ins Pedal und schau nach unten, der Schuh sollte parallel zur Kurbel stehen. Als Hilfsmittel gibt es außerdem das Ergon TP1 Cleat Tool, erhältlich für verschiedene SPD-Klicksysteme.
Cross Country: Cleat unter den Ballen
Moderne XC-Fahrer müssen technische Passagen meistern und auf dem Rad bleiben, aber an erster Stelle stehen Kraftübertragung und Effizienz. Viele setzen die Cleats deshalb wie auf dem Rennrad sehr exakt unter den Fußballen.
Enduro und Downhill: lieber etwas weiter hinten
Trail- und Enduro-Fahrer sitzen viel im Sattel und treten ordentlich, müssen aber auch hartes Gelände und teils bis zu einer halben Stunde steile Abfahrt bewältigen. Im Gegensatz zu XC-Pedalen haben viele Trail-Pedale eine kleine Plattform. Sauber abgestimmt verteilt sie die Kraft zwischen Sohle und Pedal auf eine größere Fläche. Dadurch verliert das Dogma, den Cleat immer direkt unter den Ballen zu setzen, an Bedeutung. Ein guter Ausgangspunkt liegt etwa 5 bis 10 mm hinter dem Fußballen.
Das gibt dir in der Regel ein angenehmes Pedalgefühl und genug Bewegungsfreiheit im Knöchel, sodass sich harte Landungen und schnelle Schläge in der Abfahrt gut mit der Wade abfangen lassen. Ein richtig oder falsch gibt es hier nicht, also probier es aus. Du kannst auch irgendwo in der Mitte des Einstellbereichs anfangen und dich vortasten. Nur eines gilt immer: Der Cleat sollte niemals vor dem Fußballen sitzen.
Die Profis liegen dabei gar nicht so weit auseinander, entscheiden sich aber unterschiedlich. EWS-Fahrerin Rae Morrison schiebt die Cleats so weit nach hinten wie möglich. Sie findet die Position auf ruppigem Terrain stabiler und beim Pedalieren sparsamer, weil die Waden weniger stabilisieren müssen. Ex-Enduro-Weltmeister Jérôme Clémentz startet mit der zweiten Lochreihe und schiebt die Platte ganz nach vorne, womit er etwa in der Mitte des Einstellbereichs landet. Weiter hinten fand er es weniger effizient. Tracy Moseley hat ihre Position mit der Disziplin gewechselt: im Downhill ganz am hinteren Anschlag, teils sogar mit zusätzlich ausgefrästem Bereich in der Sohle, im XC deutlich weiter vorn und im Enduro als Kompromiss dazwischen. Lewis Buchanan wiederum fuhr früher mit weit vorne montierten Cleats, bekam bei langen Abfahrten Schmerzen und viel Feedback vom Boden in den Fuß und hat in der Mitte mehr Balance gefunden, auch in Kurven. Und Katy Winton, die aus dem XC kommt, hat ihre Cleats über die Jahre nur schrittweise nach hinten gewandert.
Die wichtigste Lehre daraus: Verändere die Position in kleinen Schritten. Dein Körper braucht Zeit, um sich an eine neue Cleat-Position zu gewöhnen, und große Sprünge verändern spürbar, wie sich das Bike anfühlt.
Seitliche Position
Lässt sich der Cleat seitlich verschieben, wie bei Shimano SPD, HT oder Crankbrothers, startest du am besten in der Mitte und schaust, wie viel Platz du beim Klicken hast. Die seitliche Position bestimmt, wie breit dein Stand auf dem Bike ist. Sitzt der Cleat weiter außen am Schuh, rückt der Fuß nach innen und die Stellung wird enger. Kleinere Fahrer und oft auch Fahrerinnen mit schmalen Hüften und Füßen mögen es häufig enger, als es Tretlager und Kurbel eigentlich vorgeben, und schieben die Cleats deshalb nach außen. Sitzt der Cleat weiter innen, steht der Fuß weiter außen, der Stand wird breiter und fühlt sich oft stabiler an. Bei sehr breiten Füßen, bei denen die Ferse schnell an der Kurbel schleift, hilft ebenfalls ein Cleat Richtung Schuhinnenseite. Wichtig ist gerade am Anfang ein schneller, unkomplizierter Ein- und Ausstieg.
Als Faustregel gegen Beschwerden hat Lotte Kraus eine einfache Orientierung: Tut dir die Außenseite des Knies weh, probier den Cleat weiter innen. Zwickt es an der Innenseite, schieb ihn weiter nach außen. Wer keine Probleme hat, bleibt einfach in der mittleren Position.
Knieschmerzen sind oft ein Hinweis auf eine ungünstige Cleat-Position oder Sattelhöhe. Setz die Cleats probeweise etwas schmaler oder breiter, bis du dich wohlfühlst.
Fazit
Crankbrothers hat seine Cleat-Palette erweitert und bietet jetzt Float zwischen null und 6 Grad sowie Auslösewinkel von 10 bis 20 Grad. Eine einstellbare Auslösespannung ersetzt das nicht, aber wer ein bisschen tüftelt, bekommt mit Cleat-Wahl, Achslänge und Traktionspads ein sehr individuell abstimmbares Pedal. Das Candy ist damit nichts für Fahrer, die Pedale einmal montieren und nie wieder anfassen wollen. Mit knapp 27 Euro fürs Standard Release Cleat Kit bleibt der Spaß beim Probieren zumindest überschaubar.
Am meisten bringt es, wenn du dir für die Cleat-Position Zeit nimmst. Gerade im Enduro- und Downhill-Einsatz lohnt es sich, ein paar Millimeter hinter dem Ballen oder in der Mitte des Einstellbereichs zu starten und auf dem Trail zu testen. Wenn das Knie zwickt, liegt es oft nicht am Pedal, sondern an der Einstellung.
Text & Bilder: Sven Schebaum
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