Wer an fizik denkt, hat meistens sofort zwei Dinge im Kopf: Erstens, extrem schicke XC und Gravel Schuhe, die so weiß sind, dass man sie kaum anzuziehen wagt. Und zweitens, Sättel, auf denen die Profis der World Tour ihre Kilometer abspulen. Das Unternehmen aus Pozzoleone, Italien, steht seit 1996 für eine fast schon fanatische Hingabe zu den Kontaktpunkten zwischen Mensch und Maschine.
Doch während fizik jahrelang den Hintern und die Füße der Radwelt dominierte, blieb es an den Händen verdächtig ruhig – zumindest im Mountainbike-Bereich. Das ändert sich jetzt. Mit der neuen Griffsäule, bestehend aus den Modellen Racefeel und Comfortfeel, wollen die Italiener nun auch unser Cockpit erobern. Wir haben uns die Comfortfeel-Variante geschnappt.
Warum? Weil wir im Alter zwar nicht langsamer werden wollen, unsere Gelenke aber nach einem langen Tag im Bikepark manchmal klingen wie eine Schüssel Reis Crispies.
Inhalt
Spezifikationen
- Durchmesser
- Comfort Feel 33 mm (voluminös)
- Race Feel 30–31 mm (schlank)
- Gewicht
- Comfort Feel ca. 100 g
- Race Feel ca. 122 g
- Struktur
- Comfort Feel
- Race Feel
- Besonderheit
- Comfort Feel Wabenartige Waffel-Struktur
- Race Feel Lineares Profil / Micro-Ridges
- Länge: 130mm
- Farben: Schwarz, Grau, Khaki
Erster Eindruck
Warum braucht die Welt noch einen Griff? Es gibt doch schon hunderte. Nun, fizik nähert sich dem Thema anatomisch. Ein Griff ist nicht einfach nur ein Gummirohr über einem Alurohr. Er ist der entscheidende Vermittler für dein Feedback vom Trail. Zu hart, und deine Hände fühlen sich nach zwei Abfahrten an wie zwei taube Hummerklauen. Zu weich, und du schwimmst im Feedback wie auf einer Luftmatratze in der Brandung.
Schon beim Auspacken merkt man: Die kommen aus demselben Stall. Beide Griffe wirken extrem hochwertig verarbeitet. Ein dickes Lob gibt es vorab für die integrierten Endkappen. Wer schon einmal im dichten Gebüsch hängengeblieben ist und danach seine Plastik-Endkappen wie Ostereier im Wald suchen musste, weiß dieses Detail zu schätzen. Bei fizik ist das Ende des Griffs eine robuste, geschlossene Einheit aus Nylon.
Der Racefeel fühlt sich in der Hand fast schon asketisch an. Er ist dünn, griffig und man spürt sofort den harten Kern des Lenkers. Der Comfortfeel hingegen ist der Typ „Bärbeißer“. Die Wabenstruktur (Honeycomb) ist deutlich ausgeprägter und das Mehr an Material zwischen Hand und Rohr ist unübersehbar. Beide Griffe nutzen ein Tapered Design, werden also zum Ende hin minimal dicker oder dünner, um der natürlichen Wölbung der Hand entgegenzukommen. Die Montage via 3-mm-Inbus ist ein Kinderspiel – fest ist fest, da verdreht sich nichts, auch wenn man wie ein Wahnsinniger am Lenker reißt.
Auf dem Trail …
… mit dem Racefeel:
Der Name ist Programm. Wer auf direktes Feedback steht, wird den Racefeel lieben. Jede Wurzel, jede Kante und jede Änderung der Bodenbeschaffenheit wird eins zu eins in die Handflächen telegraphiert. In technischen Sektionen vermittelt der Griff eine Präzision, die fast schon beängstigend ist. Man hat das Gefühl, das Vorderrad mit den Fingerspitzen zu steuern.
Der Nachteil: Nach einer Stunde auf einem ruppigen Wurzeltrail merkt man, dass die Dämpfung gegen Null tendiert. Wer keine perfekt abgestimmte Gabel oder Unterarme wie Popeye hat, wird hier früher oder später mit Ermüdung zu kämpfen haben. Ein Griff für die 90-minütige XC-Hatz oder für Leute, die Schmerz als Information interpretieren.
… mit dem Comfortfeel:
Der Umstieg auf den Comfortfeel fühlt sich an, als würde man von einem harten Rennradsitz auf einen gut gepolsterten Ledersessel wechseln. Die 33 mm Durchmesser füllen die Hand satt aus. Die Wabenstruktur arbeitet aktiv: Bei Druck geben die kleinen Gummistege nach und schlucken die hochfrequenten Vibrationen, die normalerweise für das einschläfernde Kribbeln in den Fingern sorgen.
Interessanterweise verliert man trotz des Volumens nicht das Gefühl für das Bike. fizik hat es geschafft, die Gummimischung so abzustimmen, dass sie nicht „schwammig“ wirkt. Man schwimmt nicht auf dem Griff, man ist nur besser isoliert. Besonders auf dem E-MTB, wo das Systemgewicht höher und die Touren oft länger sind, war der Comfortfeel unser absoluter Favorit.
Beide Modelle performen bei Nässe überraschend gut. Die Gummimischung wird nicht glitschig. Während der Racefeel durch seine feinen Rillen das Wasser gut ableitet, bietet die Wabenstruktur des Comfortfeel so viel mechanischen Halt, dass man selbst mit matschigen Handschuhen nicht abrutscht. Ohne Handschuhe ist der Comfortfeel durch die größere Oberfläche sogar etwas angenehmer, da er weniger in die Haut schneidet.
Fazit zu den neuen Fizik Griffen
fizik hat mit diesen beiden Modellen den Nagel auf den Kopf getroffen. Es gibt keine „besseren“ Griffe, es gibt nur den „richtigen“ Griff für deinen Fahrstil.
Der Racefeel ist die Wahl für Puristen, Racer und alle, die ein ultradirektes Cockpit bevorzugen. Er sieht verdammt schnell aus und performt auch so – solange die Kraft in den Händen reicht.
Der Comfortfeel hingegen ist die ultimative Allzweckwaffe. Er bietet eine Dämpfung, die man sonst nur von deutlich hässlicheren Ergonomie-Griffen kennt, bewahrt aber den sportlichen Look. Für 90% aller Trailrider, die nicht gerade um den Weltcup-Sieg mitfahren, ist der Comfortfeel die klügere, weil entspanntere Wahl.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Italienischer Schick kann auch richtig zupacken. Ob man nun das Skalpell oder das Sofa wählt – die Hände werden es einem danken (und die Style-Polizei im Bikepark auch).
Pro’s & Con’s
Pro
- Hervorragende Dämpfung: Eliminiert Vibrationen fast so gut wie eine Therapie-Sitzung.
- Hochwertige Verarbeitung: Die integrierten Endkappen und die Materialhaptik sind top.
- Sicherer Halt: Die Wabenstruktur beißt sich förmlich in den Handschuh.
- Einfache Montage: Single-Lock-on hält bombenfest ohne Verdrehen
- Design: Endlich ein Komfort-Griff, der nicht nach „Rentenalter“ aussieht.
Contra
- Durchmesser: Für Fahrer mit sehr kleinen Händen eventuell zu wuchtig.
- Preis: fizik-typisch eher im gehobenen Segment angesiedelt.
- Gewicht: Mit über 120 g kein Leichtbau-Wunder (dafür aber Komfort-Wunder).
Text & Bilder: Sven Schebaum
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