Getestet: Focus Jam2

Mit dem FOCUS JAM2 setzen die Stuttgarter Ingenieure neue Maßstäbe in Puncto E-Bike Design. Die Zeiten, in denen das E-Bike der Quasimodo des Mountainbikes war sind Geschichte. Das Focus JAM2 macht Schluss mit hässlich!

Dank des T.E.C. Akkukonzepts findet der 386 Wattstunden Akku seinen Platz im Rahmen. Wir hatten die schwäbische Schönheit mit Shimano’s STEPS E8000 Motor im Test.

Details und Ausstattung

  • Motor Shimano STEPS E8000
  • Akku 378 Wh (mit Zusatzakku 756 Wh)
  • Federgabel RockShox Sector Silver, 140 mm
  • Dämpfer RockShox Monarch R
  • Schaltung Shimano Deore XT
  • Bremse Magura MT2, 203/180mm vo/hi
  • Sattelstütze Concept Drop, 31.6 mm
  • Laufräder Concept EX
  • Reifen Continental Mountain King, 2.4
  • Gewicht 19,5 kg
  • Preis 3.999 Euro

Geometrie des Focus JAM2 LTD

Das Herzstück des Focus JAM2 bildet das hauseigene F.O.L.D System. Focus hat mit der  eigenns entwickelten Kinematik ein Hinterbausystem entwickelt und patentiert dass gleich mehrere Vorteile vereint. Durch die optimierte Hinterbausteifigkeit von F.O.L.D. kann das Hinterrad trotz quer einwirkender Kräfte genug Traktion aufbauen, mit dem Ergebnis, dass das Bike sich deutlich gutmütiger fahren lassen soll.

Zudem sind Dämpfer, Anlenkung und Lager so tief und zentral wie möglich am Tretlager angeordnet. Daraus resultiert ein tiefer und zentraler Schwerpunkt für ein dynamisches und agiles Handling des Bikes. Focus nett dabei drei charakteristische Vorteile:

  • super sensibel mit genügend Reserven in schwerem Gelände dank der entsprechend ausgelegten zwei Phasen-Kinematik
  • superbe Traktion auch in ruppigen Kurven dank angepasstem Chassis-Flex
  • ausbalancierte und agile Fahrdynamik dank des tiefen und zentralen Schwerpunkts

Erster Eindruck Focus JAM2 LTD

Optisch macht das Focus JAM2 einiges her. Das es sich um ein E-Bike handelt, ist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Focus hat hierbei ganze Arbeit geleistet. In Zeiten in denen man bei der Wahl des Laufradsatzes soviel Variationsmöglichkeiten hat wie beim Zusammenstellen der passenden Kleidung hat bietet Focus dem E-Bike begeisterten Fahrer eine ausserordentlich große Auswahl.

Bei insgesamt zwölf (12!!!) verschiedene Ausstattungsvarianten dürfte etwas für jeden Fahrer dabei sein. Zudem hat man die Wahl zwischen einem 29er Laufradsatz oder einem 650b Plus. Der Clou an der Sache: Mit dem 29er Laufradsatz kann man auch 650 Plus fahren. Andersrum funktioniert es leider nicht.

Das Fahrwerk

Im Heck arbeitet der neue Rock Shox Deluxe R mit einem einbaumaß von 210mm. Während im Heck die Wahl der Komponenten stimmig ist, befindet sich der Performance Flaschenhals in der Front. Dort arbeitet die Rock Shox Recon RL. Trotz der 140mm Federweg hätte man sich doch etwas mehr Power gewünscht. Dazu aber im Trailcheck mehr.

Antrieb

Wie es zu erwarten war, schaltet man mit einer Kombination aus Shimanos XT und SLX Komponenten. Von der Kurbelgarnitur FC-E8000 mit einem 34er Kettenblatt, über die XT 11-Fach Kassette bis hin zum Shimano Deore 6000 Shifter ist das Konzept durchaus Stimmig.

Cockpit

Willkommen im Enduro Spaceship! Ein Blick auf den Kabelsalat lässt böses erahnen. Shifter, Sattelstützen Remote, Bremsen und natürlich die Shimanos STEPS Kontrolleinheit verschlingen viel Platz am Lenker.

Das Herzstück bildet der hauseigene Vorbau mit dem dazugehörigem Lenker. Bedenkt man, dass es sich bei Lenker, Sattel und Vorbau an den meist-gewechselten Anbauteilen handelt ist es zu verkraften, dass man nicht auf die edelsten Anbauteile zurück gegriffen hat.

Optimierungsbedarf besteht hier wirklich nur im Bereich Customizing. So kann man zum Beispiel einiges an Platz schaffen, indem man die Shimano SPEC-I oder II Schellen benutzt.

Durch die ausgewählten Remotes hat man natürlich einige Probleme alles ergnomisch perfekt anzuordnen. Ergnonomie-Fetischisten sei aber an dieser Stelle gesagt, dass es auch andere Remotes für Sattelstütze und Shimano STEPS gibt.

E-Power mit Shimano STEPS

„Please start your Engine“. Mehr E-Bike feeling geht nicht. Der Akku ist wunderbar schlicht im Rahmen integriert und wird durch einen Startknopf am Oberrohr aktiviert. Wer im Vorfeld etwas Tuning betreiben möchte kann dies über die Hauseigene E-Tube App tun und die verschiedenen Modi anpassen. Wir waren mit der Werkseinstellung unterwegs.

Über das brilliante Farbdisplay kann man während der Fahrt erkennen in welchem Modus man sich befindet. Zudem sind noch Fahrdaten wie Durchschnittsgeschwindigkeit, Dauer, Uhrzeit uvm. abrufbar.

Der Ruf des E-Bikes hat sich in den letzten Monaten deutlich zum positiven gewandelt. Während wir auf dem ein oder anderen Festival schon einmal Berührungspunkte mit dem E-Bike an sich hatte, war es letzten Endes dann doch die Neugierde die siegte. Wie verhält sich ein E-Bike im normalen Alltag? Ist es wirklich so verpöhnt? Oder macht es vielleicht sogar Spass?

Auf dem Trail

Der Akku ist geladen, Luftdruck stimmt und das Cockpit wurde unseren Wünschen entsprechend angepasst. Los gehts! Auf der normalen Hausrunde geht tretlastig los bis man den ersten Trail erreicht. Genug Zeit um sich ein wenig mit dem Shimano STEPS Antrieb zu beschäftigen. Der Boost-Mode lächelt uns an und macht seinem Namen alle Ehre! Gerade auf ebener Straße fühlt man wie der Shimano STEPS Motor vortrieb gibt. Leider zu Lasten der Reichweite. Bei Anstiegen langt es allerdings vollkommen im ECO Mode zu fahren. Wer sparsam unterwegs sein möchte kann auch ohne Unterstützung fahren, denn trotz des Kampfgewichts von knapp 20kg, lässt sich das Focus JAM2 effizient pedallieren.

Die letzten Meter zum Funkturmtrail geht es über Wurzeln, Steine und Schlamm. Natürlich mit knackiger Steigung. Erster Test für den Trail Modus. Schnell wird klar warum E-Bikes ihre eigene Faszination haben. Was mit dem eigenen Bike ohne Unterstützung eine Qual war, wird mit dem Motor zu richtigem Spass. Während meine Mitstreiter auf der Hälfte des Anstiegs schon schieben müssen, fängt der E-Bike Spass erst richtig an.

Vollkommen entspannt geht es dann bergab. Allerdings ist die Rock Shox Recon schnell am Limit. Was zwar die Berg-Ab-Performance etwas schmälert, nicht jedoch den Gesamteindruck. Der F.O.L.D. Hinterbau mit dem Rock Shox Deluxe R macht einfach Spass und ist nicht so leicht ans Limit zu bringen, wie man bei einem 140mm Hinterbau vielleicht vermuten mag.

Zugegeben, Bergauf hatte man doch ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Mitstreitern.

Fazit FOCUS JAM2

Man kann das Focus JAM2 eigentlich nur lieben. Ein genial designter Rahmen trifft auf klug konzipierte Kinematik. Auf den Ruhrgebiet Trails war das Focus JAM2 eine echte Macht. Der Hinterbau arbeitete sehr geschmeidig und hatte auch in rauerem Gelände immer noch genug Reserve parat. Das F.O.L.D System macht seinen Dienst mehr als gut!

Leider wird die allgemeine Performance durch die verbaute Rock Shox Recon TK Silver nach unten gezogen. Für 600€ mehr gibt es die Rock Shox Revelation RC im Focus JAM 2.

Touren mit dem Focus JAM2 sind überhaupt kein Problem, wenn man sich den Akku gut einteilt. Mit dem integriertem Akku waren bis zu 70km und 800hm kein Problem. Allerdings muss man sich hierbei Muskel- und Akku-Kraft gut einteilen. Mit dem Eco Mode war es überhaupt kein Problem und selbst ganz ohne Unterstützung lies sich das Focus JAM2 gut bergauf pedalieren.

Neben dem durchdachtem Rahmendesign ist der Shimano STEPS Motor das zweite Highlight am Focus JAM2. Im direktem Vergleich zum Bosch Motor ist der Shimano STEPS Antrieb sowohl in Sachen Ergonomie als auch in Punkten wie Performance deutlich überlegen. Dazu die nahtlose Verknüpfung zum Di2 Antrieb.

Was taugt das Rad? Ne Menge! Es zählt dezeit zu den interessantesten und leistungsfähigsten Bikes. Nicht zuletzt Aufgrund des verbauten Shimano Steps Motors!


Pro

  • Rahmendesign mit integriertem Akku, Aufrüstung mit zweitem Akku möglich
  • Shimano STEPS Antrieb
  • Hinterbau Kinematik F.O.L.D.
  • Varianten Vielfalt

Contra

  • Unausgewogene Ausstattung (Gabel)
  • Der Conti TrailKing konnte im Winter nicht überzeugen

 

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