Alle Jahre wieder: Das leidige Thema namens “Offseason Training für Mountainbiker”. Und jedes Jahr aufs Neue kämpft man ab November mit der totalen Unlust. Die kurzen Tage, das Schmuddelwetter und der nahende Weihnachtsmarkt mit all seinen Verlockungen ist nicht gerade förderlich für die Motivation.

Im November begann also die Suche nach neuen Trainingsmöglichkeiten. 2017 bestand das Training hauptsächlich aus Runden auf einem alten Ergometer, Spinning und ein paar Freeletics Übungen. Nach der ersten Einheit in diesem Winter stand allerdings Fest: etwas Neues muss her.

Der Markt an Rollentrainern ist breit gefächert. Von der Lowbudget Variante bis hin zum High End Smart Trainer ist eigentlich für jeden Fahrertypen und auch für jeden Geldbeutel alles dabei. In die engere Auswahl schafften es letzten Endes nur eine elitäre Auswahl an Smartrainern. Denn als Mountainbiker steht man vor einigen Problemen: Zum Einen sind klassische Rollentrainer meist auf die Rahmengeometrie eines Renn- oder Triathlonrades angepasst. Zum Anderen erfordert ein klassischer Rollentrainer, wie z.B. der Wahoo Kickr Snap, einen Geräuscharmen Reifen.

Welche Anforderungen hat man als Mountainbiker an einen Rollentrainer?

  • Stufenloses Einstellen des Wiederstands / Wattmessung
  • Aufzeichnung von Herzfrequenz
  • Konnektivität mit Strava
  • Zwift Kompatibel
  • Mountainbike-Geometrie Kompatibel
  • Nutzung eines langen Käfigs für 1×11 oder 1×12 Kassetten
  • Leise

Es musste also ein Smart Trainer her. In die engere Auswahl fielen der Elite Direto, der TacX Flux und der Wahoo Kickr Core. Auf letzteren fiel dann schlussendlich auch die Wahl. Doch einen Punkt auf der Must-Have Liste erfüllte auch der Kickr Core nicht: Die Kompatibilität mit verschiedenen Laufradgrößen.

Auch wenn es das Budget etwas sprengte wurde es dann der Wahoo KICKR 2018. Zugegeben der Preis schon etwas happig aber dafür ist bekommt man auch einiges geboten.

Ein Mountainbiker auf nem Rollentrainer?

Zugegeben, es gibt nichts, was dem umfassenden Erlebnis einer Ausfahrt auf ruhigen Trails bei schönem Wetter und mit der Fülle landschaftlicher Eindrücke gleich kommt! Und die technischen Fähigkeiten, also Radbeherrschung, Kurvenfahren, Fahren in der Gruppe etc. lernt man nur in der realen „Offline“ – Welt.

Aber das alte und immer noch verbreitete Argument „Rollefahren ist doof, langweilig, fühlt sich kacke an, laut“ zieht angesichts moderner Smart-Trainer nicht mehr. Modernes Indoor-Training auf dem Smart-Trainer hat mit „Rollefahren“ nicht mehr viel gemeinsam. Gerade Trainer mit Direktantrieb bieten heutzutage ein sehr realistisches Fahr- und Tretgefühl, mit „organisiertem Beinefallenlassen“ hat das nichts mehr zu tun. Modernes Indoortraining auf einem aktuellen Smart-Trainer fühlt sich an – wie Fahrrad fahren sich nun mal anfühlt.

Durch den Einsatz cleverer Direktantriebslösungen sind moderne Smart-Trainer flüsterleise, man hört eher das Abrollgeräusch der Kette als den Trainer selber. Zudem kann man diese Trainer mit den eigenen Sensoren wie Herzfrequenz, Trittfrequenz, Powermeter, Radcomputer etc. seines persönlichen Rades verbinden und erhält so ein komplettes Ecosystem mit allen Werten und Trainingssteuerungsparametern. Durch die Anbindung moderner Coaching-Software oder animierter Indoor-Cycling-Plattformen wie z.B. Zwift holt man sich Community und Abwechslung – und evtl. auch Wettkampfreize – ins heimische Wohnzimmer……

Reproduzierbares Training

Lange, ruhige Ausfahrten zum Kilometerfressen am Wochenende oder im Trainingslager sind perfekt für Körper und Seele. Wer darüber hinaus gezielt an eigenen Schwächen arbeiten möchte, kommt um kurze, knackige Kraftausdauer- und Intervalleinheiten nicht herum. Und genau diese Einheiten können perfekt und überaus effektiv auf dem Smart-Trainer absolviert werden. Die Vorteile sind eine reproduzierbare, definierte Trainingsumgebung, fehlende Störfaktoren wie Verkehr, Ampeln, Wind, Wetter allgemein. Einfach genau und effektiv trainieren und genau in den Leistungsvorgaben bleiben.

Trainingssteuerung durch Trainingsplan / Coach

Mit modernen Smart Trainern wird das Training effektiver – gerade für Athleten, die mit einem Coach zusammen arbeiten oder sich selbst einen detaillierten Trainingsplan mit Leistungsparametern erstellen. Mittels verschiedener Trainingsplattformen wie Trainingpeaks, Todays Workout, Web4Trainer etc. kann der Coach die Trainingsvorgaben für jede Radeinheit im Detail direkt auf den Radcomputer und damit als Steuerung auf den Smart-Trainer spielen. Der Athlet spult sein Training ab, beendet die Einheit – und der Smart-Trainer schickt die Daten via Radcomputer, W-Lan etc. zurück an den Coach. Der wertet aus und kann sofort auf Veränderungen reagieren.

Zeit pro Training

Smart-Trainer sparen Zeit. Kein langes Zusammensuchen der Winterklamotten mehr, keine stundenlange Reinigungssession des treuen Bikes, kein nerviges An-, Aus- und wieder Anziehen weil man den Herzfrequenzgurt vergessen hat…… Einfach in kurze Hose und Trikot springen, die Radschuhe an die Füße, evtl. Stirnband und auf alle Fälle 1-2 Radflaschen füllen – und los geht´s…….

Erweiterung des täglichen Aktivitätszeitraums

Gerade wenn Beruf, Familie und sonstige Aktivitäten „unter der Woche“ keine Zeit für wirkliches Radtraining zulassen, ist der Smart Trainer eine echte Alternative. Vom Wetter wollen wir mal gar nicht reden….. Auf einem Smart Trainer ist eine 1-2h Trainingseinheit auch ganz früh oder ganz spät am Tage möglich, quasi dann wenn die Konkurrenz noch in den Federn liegt oder schon auf der Couch hockt.

Ausweitung der Arbeitszeit in Kombination mit Training

Für viele beginnt der Büroalltag mit dem morgentlichen Email-Marathon…… und den kann man auch auf dem Smart-Trainer erledigen…… Wer Platz (und evtl. ein zweites Bike) hat, stellt sich den Smart-Trainer und einen entsprechenden „Desk“ ins Büro und erledigt die morgentliche Routine vom Bike aus…..anschließend kurz duschen und der Tag ist dein Freund.

Community-Rides / Trainingsreize im Wettbewerb

Wer neben dem Smart-Trainer auch noch Mitglied einer Online-Cycling Community wie z.B. Zwift, RoadGrandTour etc. wird, erweitert den Trainingsspaß ungemein. Anstatt alleine fährt man rund um die Uhr in virtueller Begleitung, kann sich mit Kumpels rund um den Globus zu gemeinsamen Fahrten verabreden, unterschiedliche Strecken fahren oder sogar an virtuellen Community-Rides oder gar Rennen teilnehmen…..und trifft vielleicht sogar mal Stars auf der Strecke…..

 

Leistungstests

Was für bestimmte Trainingseinheiten gilt, hat auch im Bereich der Leistungstests seine Gültigkeit. Zur Überprüfung des eigenen Leistungsstandes bieten Smart-Trainer ein perfektes Umfeld, eben weil sie reproduzierbare Bedingungen garantieren. So werden FTB- und andere Tests zu wirklich aussagekräftigen Trainingssteuerungs-Überprüfungen.

Sicherheit – Straßenverkehr

Ok, vielleicht nicht der schönste Grund für Indoor-Cycling aber eben auch nicht zu vernachlässigen. Machen wir uns nichts vor, im Großen und Ganzen verlaufen „Offline“ – Radausfahrten im normalen Straßenverkehr zur vollsten Zufriedenheit und ohne Komplikationen.

Aber wenn´s eng wird – dann zieht der Radfahrer meist den Kürzeren. Ob nun aus Unachtsamkeit, „hab ich nicht gesehen, der war plötzlich da, wollte doch nur aussteigen….“ – Über die Folgen wollen wir gar nicht nachdenken. Und dass es immer wieder Verkehrsteilnehmer gibt, die auch geneigt sind, ihre „Macht“ durch gefährliche Fahrmanöver zu demonstrieren – siehe Jan Frodeno – nicht schön, aber leider auch ein Teil der Realität. Das Ganze kann man auf einem Smart-Trainer einfach umgehen……gerade wenn man unter der Woche „nur mal schnell für 2h“ aufs Rad möchte und davon fast die Hälfte der Zeit braucht, um aus dem Stadtverkehr raus und am Ende wieder nach Hause zu kommen…..

Text: Frank Jeniche / Sven Schebaum

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