Wenn es um Optik im Outdoorsport geht, führt kaum ein Weg an Smith Optics vorbei. Das Unternehmen, das seine Wurzeln im idyllischen Sun Valley, Idaho, hat, blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück, die vor allem durch Innovationen im Bereich der Skibrillen geprägt wurde. Dr. Bob Smith, ein Kieferchirurg und leidenschaftlicher Skifahrer, entwickelte 1965 die erste thermisch versiegelte Doppelglas-Goggle – ein Meilenstein, der das Beschlagen von Brillen quasi über Nacht eliminierte.
Heute überträgt Smith dieses geballte Know-how auf den Mountainbike-Sektor. Das Produkt, das wir heute unter der Lupe haben, ist die Smith Wildcat. Sie ist nicht einfach nur eine Sonnenbrille; sie ist Smith’ Antwort auf die Frage: „Wie viel Schutz braucht ein Enduro-Fahrer eigentlich?“ In einer Zeit, in der Trails immer technischer werden und der Style-Faktor eine immer größere Rolle spielt, positioniert sich die Wildcat genau in der Lücke zwischen der klassischen Performance-Sonnenbrille und der massiven Full-Face-Goggle.
Inhalt
Warum eigentlich eine Hybrid-Brille? Wer schon einmal an einem heißen Sommertag mit einer Goggle einen technischen Uphill bewältigt hat, kennt das Problem: Der Schweiß läuft, die Belüftung reicht kaum aus und das Sichtfeld ist zwar geschützt, aber man fühlt sich wie in einer Sauna. Auf der anderen Seite bieten schmale Sonnenbrillen oft zu wenig Schutz vor seitlich einfallendem Staub, Ästen oder dem Fahrtwind, der bei High-Speed-Passagen die Augen tränen lässt.
Hier setzt die Smith Wildcat an. Sie nutzt ein zylindrisches 5-Base-Glas, das eine enorme Abdeckung bietet, ohne dabei die klobige Bauweise einer Goggle zu übernehmen. Der Rahmen besteht aus einer cleveren Materialmischung, die Stabilität und Flexibilität vereint. Das Ziel ist klar: Maximaler Schutz und ein riesiges Sichtfeld, kombiniert mit dem geringen Gewicht und der exzellenten Belüftung einer Sonnenbrille. Ob dieser Spagat gelingt, haben wir auf den staubigen Trails und im schattigen Unterholz getestet.
Spezifikationen der Smith Wildcat
- Farben
- Größen:
- Gewicht:
- Zertifikate
- Passform: Medium Fit mit Extra-Large Coverage (maximale Abdeckung).Abmessungen: Glasbreite 140 mm, Glashöhe 62 mm, Bügellänge 125 mm.Gewicht: Federleichte 32 Gramm.Rahmenmaterial: Hybrid-Konstruktion aus TR90 (robustes Nylon) und TPU (flexibles Material aus der Goggle-Fertigung).
Glas-Technologie: ChromaPop™ (kontrastverstärkend) mit hydroleophober Beschichtung (wasser- und fettabweisend).
Nasenpad: In zwei Positionen verstellbar, gefertigt aus rutschfestem Megol.
Bügel: Ebenfalls mit Megol-Beschichtung für sicheren Halt; Auto-Lock-Scharniere.
Lieferumfang: Inklusive Hartschalenetui, Mikrofaserbeutel und einem zusätzlichen klaren Ersatzglas für Schlechtwetter-Tage.
Farben: Erhältlich in zahlreichen Varianten (z.B. Matte Black, White, Get Wild) mit verschiedenen Glas-Tönungen (VLT-Bereich von 10% bis 85% bei Photochromic-Optionen).
Erster Eindruck
Schon beim Auspacken wird klar, dass Smith hier keine halben Sachen macht. Das mitgelieferte Case ist stabil und bietet Platz für das Ersatzglas – ein Detail, das bei dem stolzen Preis der Brille aber auch zu erwarten ist. Die Wildcat wirkt im ersten Moment riesig. Wenn man sie jedoch in die Hand nimmt, überrascht das extrem geringe Gewicht von nur 32 Gramm.
Haptisch überzeugt der Mix aus dem festen TR90-Rahmen oben und dem flexibleren TPU-Material im unteren Bereich. Die Bügel rasten mit einem definierten Klicken ein (Auto-Lock) und fühlen sich trotz ihrer schlanken Bauweise sehr wertig an. Besonders positiv fällt das Nasenpad auf: Es lässt sich mit einem einfachen Klick in zwei Positionen (breit/schmal) verstellen. Das ist entscheidend, um den Abstand der Brille zum Gesicht zu variieren – je nachdem, ob man mehr Belüftung wünscht oder die Brille für maximalen Schutz näher an die Augen rücken möchte.
Das Einsetzen des Ersatzglases erfordert beim ersten Mal etwas Mut, da man den Rahmen leicht biegen muss, geht aber dank der Flexibilität des Materials erstaunlich schnell vonstatten.
Auf dem Trail der Smith Wildcat
Der eigentliche Test fand auf einer Mischung aus offenen Flowtrails und dichten Waldpassagen statt.
Sichtfeld und Optik: Das Herzstück der Wildcat ist zweifellos das ChromaPop™-Glas. Die Technologie filtert Lichtüberschneidungen in den Bereichen Blau/Grün und Grün/Rot. Das Ergebnis? Farben wirken satter, Kontraste werden massiv verstärkt. Auf dem Trail bedeutet das: Wurzeln, Steine und Bodenunebenheiten treten plastischer hervor. Besonders in wechselnden Lichtverhältnissen – etwa wenn man mit Highspeed aus der prallen Sonne in ein dunkles Waldstück eintaucht – spielt das Glas seine Stärken aus. Man muss die Augen weniger anstrengen, was Ermüdungserscheinungen auf langen Touren vorbeugt. Das periphere Sichtfeld ist durch die zylindrische Form fast uneingeschränkt; man vergisst schnell, dass man überhaupt eine Brille trägt.
Sitz und Komfort:
Die Kombination aus den flexiblen Bügeln und den Megol-Einsätzen an Nase und Schläfen sorgt für einen bombenfesten Sitz. Selbst in ruppigen Steinfeldern oder bei Sprüngen verrutschte die Wildcat keinen Millimeter. Dabei erzeugt sie keinen unangenehmen Druck hinter den Ohren – ein Problem, das viele großformatige Brillen bei längeren Fahrten haben. Das verstellbare Nasenpad erlaubte es uns, die Brille so zu positionieren, dass sie perfekt mit verschiedenen Helmen (getestet u.a. mit dem Smith Forefront 2) abschloss, ohne oben anzustoßen.
Belüftung und Schutz:
In Sachen Belüftung schlägt die Wildcat jede Goggle um Längen. Durch das rahmenlose Design an den Seiten kann die Luft zirkulieren, was ein Beschlagen beim Stoppen fast vollständig verhindert. Sobald man wieder anrollt, zieht eventuell entstandener Kondensatfilm sofort ab. Der Schutz vor Wind ist phänomenal. Selbst bei schnellen Abfahrten tränten die Augen nicht, und der Staub blieb dort, wo er hingehört: draußen. Ein kleiner Wermutstropfen: Bei extrem staubigen Bedingungen kann bauartbedingt seitlich etwas mehr Staub eindringen als bei einer hermetisch abgeschlossenen Goggle.
Haltbarkeit:
Nach mehreren Wochen im Test, inklusive einiger Schlammschlachten, zeigt sich die Beschichtung als sehr effektiv. Schmutz und Wasser perlen gut ab. Ein Punkt, auf den man achten sollte: Das verspiegelte Glas ist trotz aller Qualität anfällig für Fingerabdrücke und sollte nur mit dem mitgelieferten Beutel gereinigt werden. Kratzer traten im Testzeitraum nicht auf, obwohl wir nicht immer zimperlich mit ihr umgegangen sind.
Fazit zur Smith Smith Wildcat
Die Smith Wildcat ist eine Ansage an alle Mountainbiker, die keine Lust mehr auf den Kompromiss zwischen Style, Schutz und Belüftung haben. Sie bietet die massive Optik und den Schutz einer Goggle, kombiniert mit der Leichtigkeit und dem Komfort einer High-End-Sonnenbrille.
Sicherlich ist der Preis im oberen Segment angesiedelt, doch man bekommt hier ein durchdachtes Paket. Das ChromaPop-Glas ist eines der besten auf dem Markt, wenn es um Kontrastverstärkung im Gelände geht, und das zusätzliche klare Glas macht die Wildcat zum Ganzjahresbegleiter. Für Fahrer mit sehr kleinen Gesichtern könnte sie etwas zu wuchtig wirken (hier wäre die Smith Bobcat die bessere Wahl), aber für den Rest ist sie ein absolutes Top-Produkt, das auf dem Trail für klare Sicht und ordentlich „Steeze“ sorgt.
Pro’s & Con’s
Pro
- Überragende Optik: ChromaPop-Technologie sorgt für exzellente Kontraste und Farbtreue.Perfekter Sitz: Verstellbares Nasenpad und rutschfestes Megol halten die Brille sicher an Ort und Stelle.Großes Sichtfeld: Maximale Abdeckung ohne störende Rahmenkanten im Blickfeld.Vielseitigkeit: Inklusive klarem Ersatzglas für schlechte Lichtverhältnisse.
Hervorragende Belüftung: Kein Beschlagen, selbst bei schweißtreibenden Uphills.
Contra
- Preis: Hohe Anschaffungskosten (dafür aber zwei Gläser inklusive).Größe: Für sehr schmale Gesichter unter Umständen zu groß/breit.Pflegeaufwand: Verspiegelte Gläser sind anfällig für Schlieren und Fingerabdrücke.Staubschutz: Bauartbedingt nicht ganz so effektiv wie eine geschlossene Goggle bei extremem Staub.
Text & Bilder: Sven Schebaum
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Transparenzhinweis: Im Zuge des Tests wurde uns vom Hersteller ein Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr dazu.







