Wenn man sich vornimmt, Mountainbiken als Sport zu betreiben steht man vor einer schier unendlichen Auswahl an Modellen. Unterteilt in die verschiedensten Kategorien, Modelle, Ausstattungsvarianten und Einsatzgebiete. Aber eben auch in verschiedene Preissektoren. 

Decathlon bietet hierbei die Hausmarke BTWIN an und das Einsteigerrad Rockrider 520. Das Bike ist im unteren Preissektor angesiedelt und soll sich explizit an Einsteigern richten. Seien wir ehrlich zu uns. Mountainbiking ist ein verdammt teures Hobby, daher steht man als Einsteiger und Neuankömmling unter den Mountainbikern vor der (durchaus berechtigten) Frage wieviel man für das neue Hobby ausgeben möchte.

Das BTWIN Rockrider 520 sticht preislich aus der Masse hervor. Schon fast unvorstellbar, dass man für 299€ ein komplettes Mountainbike bekommt, gerade wenn man sich vor Augen hält, dass man für den selben Preis ein komplettes Carboncockpit bekommen würde. Aus diesem Grund haben wir uns das BTWIN Rockrider 520 einmal genauer angeschaut, und getestet, ob es sich für Einsteiger eignet.

Erster Eindruck des BTWIN Rockrider 520

Das BTWIN Rockrider 520 wird in insgesamt vier verschiedenen Größen ausgeliefert. Von S über M und L bis hin zu XL dürfte für jeden Fahrer etwas dabei sein. Das BTWIN Rockrider wurde im französischen Lille von passionierten MTB Experten entwickelt. Das Ergebnis ist der Rockrider CFG Evo Rahmen aus 6061er Aluminium gefertigt.

Bei der Ausstattung wurde dann allerdings der Sparfuchs aus dem Keller geholt. Angetrieben wird das BTWIN Rockrider 520 von einem SRAM X3 8-fach Schaltwerk und SRAM X4 Schalthebeln.

Die Kassette verfügt über 8 Ritzel und einer Bandbreite von 11-32 Zähnen hinten sowie drei Kettenblätter in der Front die über 22, 32 und 42 Zähne verfügt.

Verzögert wird das Mountainbike mit mechanischen Hayes MX5 Scheibenbremsen. Den meisten dürften im Jahr 2017 eigentlich mechanisch angesteuerte Bremsen kein Begriff mehr sein.

In der Front wird das BTWIN Rockrider 520 mit einer BTWIN U-Fit Gabel mit 80mm Federweg. BTWIN preißt das system als innovatives gewichtsabhäniges Justiersystem an, bei dem das Fahrergewicht von 55 bis 105kg einstellbar ist.

Das Cockpit besteht aus einem B’Twin Sport-Oversize-Lenker mit 680mm (Rahmengröße L und XL) sowie einem Aluminium Vorbau mit 90mm. Was daran jetzt „oversize“ ist erkennen wir noch nicht wirklich. Leider ist es aber immer so, dass die wenigsten Serienbikes mit einem entsprechendem Lenker kommen. Da heisst es nachrüsten.

Einige Wehrmutstropfen gab es allerdings trotzdem. Das, frisch aus dem Karton gezogene, Bike hatte ein paar kleinere und größere Mängel aufzuweisen. Neben den viel zu langen Bowdenzügen am Schaltwerk stießen vor allem lockere Speichen am Laufradsatz negativ auf. Zudem waren einige Schrauben werksmäßig nicht mit dem angegebenen Drehmoment angezogen.

Schon vor dem ersten Ride eigentlich ein No-Go wenn man bedenkt, dass es sich bei dem bei dem Komplettrad um ein Einsteigerrad handelt, bei dem man vermuten mag, dass niemad größere Schrauberkentnisse besitzt.

Ausfahrt mit dem BTWIN Rockrider 520

Zugegeben, der Test eines Low-Budget Bikes ist für uns doch schon relativ neu. Normalerweise sind wir andere Kaliber aus höheren Preisregionen gewohnt. Aus diesem Grund, wird der Test so neutral wie möglich ausfallen und sich auch nach dem aufgerufenen Preis von 299€ richten.

Nachdem wir das Bike, zwangsläufiger Weise, noch einmal warten mussten ging es dann, mit etwas Verzögerung, zur ersten Runde. BTWIN gibt für das Rockrider 520 allerdings keine Freigabe für All-Mountain, Enduro und BMX. Daher ging es auf eine ausgedehnte XC Tour.

Schon auf den ersten Metern macht das BTWIN Rockrider 520, nach unserem ersten Werkstattbesuch, einen guten Eindruck. Die Schaltperformance ist auf flachen Tretpassagen gut. Unter Last offenbaren sich kleinere Schwächen, was allerdings verständlich ist. Immerhin handelt es sich bei der verwendeten SRAM X3 Schaltung nicht um das Topmodell von SRAM.

Dank der klassischen Diamant-Rahmengeometrie fühlt man sich im Uphill pudelwohl. Geht es jedoch bergab offenbart das BTWIN Rockrider 520 fatale Lücken in der Ausstattung. Wie schon angesprochen, sind wir mit dem Rockrider nicht die klassischen Enduro oder All-Mountain Trails gefahren, sondern das, was man im allgemeinen als „nette Sonntagsausfahrt mit der Familie“ beschreiben könnte.

Viele Forstwege, viele Tretpassagen und eben auch mal bergab. Während sich das Rad auf asphaltierten Wegen noch ganz passabel schlug, kam es auf Singletrails oder der Waldautobahn viel zu schnell an seine Grenzen. Die mechanischen Hayes Scheibenbremsen brauchten eine gefühlte Unendlichkeit um das Rad zum stehen zu bekommen und auch nach mehrmaligem hin und hergefummel konnte sich keine adäquate Bremskraft aufbauen.

Fazit zum BTWIN Rockrider 520

Für 299€ darf man keine Rennmaschine erwarten, das ist klar. Wer allerdings ein Einsteigerbike sucht und sich unsicher ist, ob einem der Sport liegt könnte mit dem BTWIN Rockrider 520 glücklich werden. Allerdings würden wir dazu raten, das Bike in einer der vielen Decathlon Filialen zu kaufen um vor Ort direkt vom Fachmann die Mängel wie zB. unzulängliche Speichenspannung oder fehlerhafte Zugführung beheben zu lassen.

Derzeit läuft der Werbespot des Rockrider 520  im TV rauf und runter. Das was in dem Clip gezeigt wird, entspricht allerdings zu 100% nicht dem Einsatzgebiet des Rockrider.

Wie in unserem Trailbericht festgestellt, hat das BTWIN Rockrider 520 so seine Schwächen sobald es etwas schneller bergab geht. Wem die mangelnde Bremskraft stört, der kann preislich eine Etage höher schauen und wird mit dem BTWIN Rockrider 540 die angesprochene Defizite beseitigt sehen.

 

 

 

  • Thomas Fantomas

    Ach komm, klar machen die das

  • Stefan Lüttenberg

    Und ihr meint die Laufräder kann man beim qualifizierten Decathlon Personal zentrieren lassen?

  • Carsten Posingies

    Ich hatte ebenfalls das mehr oder weniger große Vergnügen, dieses Bike (von einem Bekannten) zu probieren. Es richtet sich an Einsteiger mit kleinem Budget, nicht an gut bezahlte Profi-Tester, lieber Autor! Ein Tester mit von zig-1000 km eingebleuten Reflexen lässt sich von dem Bike nicht umschmeißen. Ein Einsteiger schon. Die Geometrie (Vorbau) ist trotz des großen Lenkkopfwinkels viel zu nervös konstruiert für einen Einsteiger, vor allem, wenn er mehr als 75 kg auf die Waage bringt. Zugleich ist das Oberrohr zu lang für Einsteiger, wenn sie nicht knapp 2 Meter messen, weil sie sogleich in eine sehr sportliche Haltung gezwungen werden. Genau dann fehlt zumeist die Kraft in den Oberarmen, um einen solch kurzen Vorbau ruhig zu halten, besonders bei Abfahrten, bei denen Anfänger ja gerne mal aus dem Sattel gehen, um ihren Allerwertesten zu schonen, und dabei das Gewicht nach vorn verlagern.

    Nachdem laut Angaben des Herstellers ja quasi nur Autobahnen als Fahruntergrund erlaubt sind, damit die Billig-, aber wirklich Billig-Reifen mehr als 1000 km aushalten, ist es nun aber so, dass das Rad eh eine komplette Geldverschwendung ist. Ein billig bei einer Polizei- oder Zoll-Versteigerung geschossenes Stahlrahmen-Rad von Hercules oder so, auch wenn es schon 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist da sicher eine bessere Investition.

    Ich habe übrigens gar nicht gewusst, dass es von SACHS so billiges Gelump zu kaufen gibt… Bisher hatte ich vermutet, dass die Sram Komponenten eher vom Mid-Price Sektor an anfangen. Man lernt nie aus.

    Das Bike kostet also 299 €? Okay. Wer immer die Chance hat, für kleines Geld einen Cyclocrosser-Alu-Rahmen zu schießen, kann für einen schlappen Hunderter mehr ein wirklich schönes Bike aufbauen, mit Marken-Komponenten und einer neuen (!) Shimano-Deore- oder -Sora-Gruppe, wenn er bei eBay und Co. die Augen offen hält.

    Wenn man ein bisschen Ahnung von Bikes und Handwerk hat, lässt sich auf diese Weise, durchaus über einige Monate, um die prachtvollen Schnäppchen zu schießen, ein fabelhaftes Bike aufbauen.

    Mein am Anfang nur aus einem No-Name-Alu-Rahmen bestehender CXer darf sich für zugegeben knapp über 400 € (aber wirklich knapp, nicht gleich 500) unter anderem mit einem Ritchey WCS Logic II Lenker, (mir) passendem Vorbau, einer neuwertigen Vollcarbon-Gabel aus einem Ghost Race 5000, Mavic Ksyrium Laufrädern und Conti Contact Race II Reifen brüsten, dazu (noch) einer Mischung aus Shimano-Sora (Kurbel plus passendem Innenlager, Umwerfer, Kassette, Schaltwerk) und 105 (STI und Felgenbremsen, Kette aus der Ultegra-Reihe). Abstriche habe ich beim Sattel gemacht. Es ist ein Selle Italia C2 Gel Flow, gebraucht, aber noch nicht wirklich eingesessen. Die Pedale brauchen ein Update, mir schweben die Shimano PD-A 520 oder
    PD-A 600 vor. Auch damit würde ich sicher unter der 500 €-Marke bleiben und hätte einen Cyclocrosser zusammen, der kein Profi-Bike ist, aber sehr ambitioniert und sicher auch die Billig-Bulls beim Stadler rot werden lässt.

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